Stress und Prostatitis – eine wechselseitige Beziehung

Wenn der Stress schmerzt und der Schmerz stresst: Bei einer nicht-bakteriellen Prostatitis besteht ein enger Zusammenhang zwischen den körperlichen Beschwerden und der Psyche. Sorgen und Ängste, die mit den Symptomen verbunden sind, können zu der Erkrankung beitragen. Umso wichtiger ist es, bei der Therapie auch das seelische Wohl der Männer im Blick zu behalten und Stress weitestgehend zu reduzieren.

Mann entspannt Körper & Psyche: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Stress und Prostatitis

Psychische Belastung einer Prostata­entzündung

Eine chronische Prostataentzündung ist eine ernste Erkrankung mit komplizierten Symptomen. Probleme beim Wasserlassen sowie anhaltende Schmerzen in der Leistengegend oder in den Genitalien haben starke Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens – Familie, Beruf und Freizeit.

Kurz: Neben den körperlichen Beschwerden einer Prostatitis dürfen also auch die psychischen Folgen nicht vergessen werden. Gründe für Stress gibt es bei einer Prostatitis gleich mehrere, nämlich

  • die permanenten Schmerzzustände, die die ganze Aufmerksamkeit der Patienten einnehmen können,
  • der ständige Harndrang, der manche Betroffene dazu zwingt, sich ständig in der Nähe einer Toilette aufzuhalten und
  • Einschränkungen im Sexualleben, die Probleme in der Partnerschaft verursachen können.

Sorgen und Ängste, dass die Beschwerden dauerhaft bestehen bleiben und kein Licht am Ende des Tunnels zu erwarten sein könnte, bestimmen häufig die Gedanken vieler Prostatitis-Patienten und verursachen teils zusätzlichen Stress.

Hilfe finden bei Stress und psychischer Belastung:
Um nicht in den psychischen Abwärts-Strudel zu geraten und Angstzustände oder sogar eine Depression zu entwickeln, sollten Prostatitis-Patienten bei Anzeichen von Stress unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen. Ein erster Ansprechpartner ist immer der Urologe, der die Krankheitssymptome vertrauensvoll behandelt und bei der Suche nach einer Lösung unterstützt.

Prostata & Psyche: Stress als Ursache einer Prostatitis?

Da Mediziner bei der chronischen nicht-bakteriellen Prostatitis bisher keine eindeutige organische Ursache ausmachen konnten, stehen auch psychische Faktoren wie anhaltender Stress oder Ängste im Verdacht, die Prostata-Beschwerden auszulösen. Durch Stress produzieren wir vermehrt Hormone, die das Immunsystem schwächen und die Entstehung von Entzündungen begünstigen können. Eventuell führen psychische Belastungssituationen zudem dazu, dass sich die Muskeln in der Beckenregion verspannen. Durch die Verhärtungen werden Nervenzellen nicht richtig versorgt und reagieren mit Schmerzen.

Unterstützt wird die Vermutung zusätzlich dadurch, dass eine Stresstherapie bei vielen Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führt.1

Reduzierung von Stress als Therapie bei einer Prostatitis

Neben der Behandlung einer nicht-bakteriellen Prostatitis mit Medikamenten ist ein erklärtes Ziel der Therapie meist die Vermeidung von Stress. Auch Männer müssen nicht immer alles im Griff haben und die diversen Herausforderungen in Job, Beziehung und Familie wachsen selbst harten Kerlen manchmal über den Kopf.

Der Urologe kann den Patienten daher an einen Psychotherapeuten verweisen. Dieser kann beispielsweise Tipps geben, wie Männer gelassener mit Stresssituationen im Alltag umgehen, und konkrete Entspannungstechniken vermitteln. Bei Angststörungen oder ausgeprägter Antriebslosigkeit hat er ebenfalls die Möglichkeit, Antidepressiva oder andere angstlösende Mittel zu verschreiben. Ebenso haben sich bei einigen Patienten folgende physikalische Therapieansätze als hilfreich erwiesen: 2

  • Akupunktur (Therapiemethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei der durch Nadelstiche Schmerzen gelindert werden sollen)
  • Bewegungstherapie (zur Kräftigung der Beckenmuskulatur und Reduzierung von Stress bei einer Prostatitis)
  • Biofeedback-Therapie (der Patient übt das bewusste An- und Entspannen des Beckenbodens zur besseren Kontrolle seines Harndrangs)
  • Magnetfeldtherapie (Betroffene sitzen vollständig bekleidet auf einem Stuhl, durch den elektromagnetische Impulse geleitet werden, sodass sich die Muskeln des Beckens abwechselnd an- und entspannen können)
  • Triggerpunkttherapie (Deaktivierung sogenannter Triggerpunkte, also Muskelverhärtungen von denen die Schmerzen ausgehen, beispielsweise mit Hilfe einer Akupunkturnadel)
  • Mikrowellen-Wärmetherapie (Verfahren, bei der die Wärme durch Mikrowellen im Körper entsteht und dort eine lindernde Wirkung entfaltet)

Bei Stress ist meist schon sehr viel geholfen, wenn sich Männer bewusst mehr Zeit für Entspannung gönnen und beispielsweise einen erholsamen Urlaub einplanen. Für kürzere stressfreie Auszeiten eignet sich ein kurzer Mittagsschlaf ebenso wie ein entspannendes Bad am Abend. Die Wärme wirkt sich zusätzlich wohltuend aus und kann Prostatitis-Schmerzen lindern. Daher gelten Voll- oder Sitzbäder als beliebtes Hausmittel bei Prostataentzündungen.

1 Hakenberg, Oliver/Wirth, Manfred: Chronic Pelvic Pain in Men. In: Urologia Internationalis 2002 Nr.68:138–143.

2 Manski, Dirk: Urologielehrbuch.de 2017. URL: https://www.urologielehrbuch.de/chronische_prostatitis_03.html (05.03.2018).