Medikamente gegen Prostataentzündung: Antibiotika, Alpha-Blocker, Spasmolytika & Co.

Stecken Bakterien hinter einer Prostataentzündung, wissen Urologen, welche Medikamente sie verschreiben müssen: In diesem speziellen Fall sind Antibiotika angesagt. Leider ist der Auslöser einer Prostatitis in den seltensten Fällen so eindeutig zu identifizieren. Bei einer nicht-bakteriellen Prostatitis liegen die Ursachen nicht immer auf der Hand, eine Standardtherapie gibt es daher nicht – aber verschiedene Medikamente, um die einzelnen Prostata-Beschwerden zu behandeln.

Antibiotika, Alpha-Blocker & Co. als Medikamente gegen Prostataentzündung

Medikamente zur Behandlung einer Prostataentzündung

  • Medikament bei nachgewiesenem Bakterienbefall: Antibiotika
  • Mittel gegen Probleme beim Wasserlassen: Alpha-Blocker, 5-Alpha-Reduktasehemmer
  • Medikamente bei Schmerzen in der Leistengegend und im Genitalbereich: Analgetika, nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Spasmolytika, pflanzliche Mittel
  • Behandlung von psychischen Faktoren: Antidepressiva, Anxiolytika

Prostatitis – bei Bakteriennachweis sind Antibiotika die Mittel der Wahl

Am einfachsten ist die Behandlung einer Prostataentzündung, wenn der Urologe bei seinem Patienten einen Bakterienbefall entdeckt. Das ist aber nur bei etwa 10 Prozent der Betroffenen der Fall. Konnten Bakterien nachgewiesen werden, ist der nächste Behandlungsschritt eindeutig definiert: Die Leitlinie sieht bei einer bakteriellen Prostatitis die Gabe von Antibiotika für einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen vor.1 Die Wahl des Antibiotikums richtet sich in erster Linie danach, welche Krankheitserreger festgestellt wurden. Häufig werden Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone zur Therapie der Prostatitis eingesetzt – Medikamente die sich durch ein breites Wirkspektrum auszeichnen. Bessern sich die Symptome trotz Einnahme von Antibiotika nicht, muss der Urologe weitere Therapiemaßnahmen einleiten.

Der Zweifelsfall: Behandlung der Prostataentzündung mit oder ohne Antibiotika?

Eine nicht-bakterielle Prostatitis stellt Urologen regelmäßig vor Herausforderungen, da die Ursache der Beschwerden von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein kann. Wenn der Verdacht besteht, dass — trotz fehlendem Nachweis — eine bakterielle Infektion vorliegt, verordnen Ärzte auch bei einer nicht-bakteriellen Prostatitis möglicherweise Antibiotika als Medikament. Tatsächlich geht es einigen Patienten mit einer chronischen nicht-bakteriellen Prostataentzündung durch die Antibiotika-Therapie oft besser.2 Einen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es jedoch nicht. Insbesondere angesichts möglicher Nebenwirkungen im Rahmen der Medikamenten-Einnahme ist ein leichtfertiger Einsatz von Antibiotika sehr umstritten: Dazu zählen Übelkeit und Durchfall sowie in seltenen Fällen unerwünschte Auswirkungen auf Muskeln, Gelenke oder das Nervensystem. Führt die Therapie innerhalb von vier Wochen nicht zu einer signifikanten Besserung, sollte sie daher abgebrochen werden.2

Verschreibungspflichtige Medikamente: Alpha-Blocker und Spasmolytika

Neben einer Prostatitis-Therapie mit Antibiotika gibt es weitere verschreibungspflichtige Medikamente, mit denen einzelne Symptome der Prostataentzündung behandelt werden können.

  • Alpha-Blocker: Sie werden vor allem bei Blasenentleerungsstörungen eingesetzt und bewirken eine Entspannung der Prostata-Muskulatur, wodurch der Urin besser aus der Blase abfließen kann.
  • Spasmolytika: Die Medikamente lösen Verspannungen in der Beckenmuskulatur und verschaffen dadurch bei einer Prostataentzündung Schmerzlinderung.

Auch bei der Behandlung einer Prostataentzündung ohne Antibiotika sind Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Bei Alpha-Blockern und Spasmolytika handelt es sich um starke Medikamente, bei denen unerwünschte Wirkungen wie Schlappheitsgefühl, niedriger Blutdruck oder Ejakulationsstörungen (zum Beispiel schmerzhafter Samenerguss) auftreten können. Wenn Sie während der Einnahme der Mittel Anzeichen von Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich sofort an Ihren Arzt.

Schmerzlinderung im Fokus: Weitere Medikamente bei Prostataentzündung

Schmerzen im Unterleib, in den Genitalien oder im Beckenbereich müssen Betroffene nicht einfach hinnehmen. Der Urologe kann verschiedene Schmerzmittel verordnen. Infrage kommen beispielsweise folgende Medikamente:

  • leichte opioide Schmerzmittel oder
  • nicht-steroidale Antirheumatika (kurz NSAR), zu denen unter anderem die Wirkstoffe Ibuprofen oder Diclofenac zählen.

Ergänzend können Patienten zudem rezeptfreie Medizinprodukte wie Prosturol® anwenden. Prosturol®-Zäpfchen enthalten eine ausgeklügelte Kombination verschiedener pflanzlicher Inhaltsstoffe sowie Hyaluronsäure. Einmal täglich verabreicht, können sie zu einer Linderung der Beschwerden beitragen – und zwar gezielt am Ort des Geschehens.

Sind die Schmerzen im Rahmen der Prostataentzündung psychisch bedingt oder lösen die Beschwerden bei Betroffenen eine starke Stressbelastung aus, kann ein Psychotherapeut Medikamente wie Antidepressiva oder andere angstlösende Mittel verschreiben.

1 Gensthaler, Brigitte: Prostatitis. Hartnäckig und schwer zu behandeln 2007. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2803 (06.03.2018).

2 Hochreiter, Werner: Prostatitis und chronisches Beckenschmerzsyndrom. Vielfältige Beschwerden und wenig standardisierte Therapieoptionen 2010. URL: https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2010/11/Prostatitis_und_chronisches_Beckenschmerzsyndrom.pdf (05.03.2018).