Die 3-Gläser-Probe: Was der Urin über die Prostata verrät

Eine Entzündung der Prostata, fachsprachlich Prostatitis genannt, äußert sich unter anderem durch Schmerzen im Leistenbereich und Probleme beim Wasserlassen. In Summe sind die Symptome einer Prostatitis für Betroffene sehr lebenseinschränkend und sollten deshalb behandelt werden. Zur Feststellung der Erkrankung und als Grundlage der Behandlungsstrategie wird der Arzt zunächst den Urin analysieren — in diesem Zusammenhang hat sich die sogenannte 4-Gläser-Probe oder auch die 3-Gläser-Probe etabliert.

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So erkennt der Arzt eine Prostatitis

Die Beschwerden, die eine Prostatitis hervorruft, stellen für betroffene Männer eine enorme Stressbelastung dar. Der Weg zum Facharzt sollte deshalb nicht unnötig lange hinausgezögert werden. Nach einem Erstgespräch wird der Arzt zunächst eine Tast-Untersuchung der Prostata über den Enddarm durchführen, um mögliche Entzündungsanzeichen feststellen zu können. Dazu zählen beispielsweise Druckempfindlichkeit oder eine Schwellung.
Der Goldstandard zur Diagnose einer Prostatitis ist jedoch ein möglicher Erregernachweis im Urin oder Prostatasekret. Dieser kann entweder isoliert oder im Rahmen eines aufwendigeren Untersuchungsverfahrens, mittels der 3-Gläser-Probe oder auch 4-Gläser-Probe, erfolgen.

4-Gläser-Probe oder 3-Gläser-Probe: Stop-and-go beim Wasserlassen

Bei der 3-Gläser-Probe wird nicht nur eine einzige Urinprobe abgegeben, der Patient muss die Entleerung der Blase in drei Etappen unterteilen und dabei in insgesamt drei Gläser urinieren. Die ersten zehn Milliliter, die beim Wasserlassen zuerst aus der Harnröhre fließen, werden als Erststrahlurin gesammelt. Der Mittelstrahlurin tritt danach aus und kann in einem separaten Becher aufgefangen werden. Da die Blase nicht vollständig entleert wird, verbleibt in ihr noch Resturin. Nach einer Prostatamassage, die der Urologe vornimmt, gibt die Prostata Sekret ab — das sogenannte Prostataexprimat. Das Sekret fließt ebenfalls aus der Harnröhre und wird entweder separat (4-Gläser-Probe) oder zusammen mit dem Resturin (3-Gläser-Probe) in einer letzten Probe gesammelt.

3-Gläser-Probe — drei Proben:

  1. Erststrahlurin
  2. Mittelstrahlurin
  3. Urin nach Prostatamassage

4-Gläser-Probe — vier Proben:

  1. Erststrahlurin
  2. Mittelstrahlurin
  3. Prostatasekret nach Prostatamassage
  4. Resturin

Bei der anschließenden Untersuchung des Urins hat der Arzt verschiedene Ansatzpunkte:

  • Der Urologe sieht bereits an einer möglichen Trübung oder Verfärbung des Urins, dass eine Erkrankung vorliegt – wobei nicht jede Entzündung dazu führt, dass der Urin sichtbar getrübt ist.
  • Bei der genaueren Analyse der einzelnen Proben kann der Arzt mit Hilfe von Teststreifen möglicherweise Entzündungszellen (Leukozyten) feststellen. Eine erhöhte Leukozyten-Zahl in den Proben deutet auf eine bakterielle Infektion hin. Liegt im letzten Proben-Glas (Urin und Prostatasekret), im Vergleich zu den vorhergehenden Proben, zudem eine stark erhöhte Anzahl an Leukozyten vor, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Infektion tatsächlich die Prostata betrifft und nicht die Blase beziehungsweise Harnröhre.
  • Entdeckt der Arzt in den Proben zudem Nitrit, ein Abbauprodukt von Bakterien, ist dies ein weiteres Zeichen für einen Bakterienbefall.

In manchen Fällen kann sich neben den Leukozyten auch Blut im Urin befinden. Je nach Ausprägung, ist es nur mit dem Mikroskop erkennbar oder sogar mit dem bloßen Auge. Das Blut ist bei einer Prostatitis ebenso auf die infektionsbedingte Entzündung des Prostatagewebes zurückzuführen.

Das Ergebnis der Tests entscheidet über die weitere Behandlung

Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion der Prostata wird der Arzt mikrobiologische Kulturen von Urin und/oder Prostataexprimat anlegen lassen. Mögliche Krankheitserreger bilden nach ein bis zwei Tagen Kolonien, die Auskunft darüber geben, um welche Keime es sich handelt. Zumeist stecken im Falle einer bakteriellen Prostatitis Darmbakterien wie E. coli hinter der Entzündung — sie können über die Harnröhre in die Prostata aufsteigen und müssen mit einem geeigneten Antibiotikum bekämpft werden.

Allerdings ist nur etwa bei zehn Prozent der Prostatitis-Patienten ein Bakterienbefall des Prostatagewebes nachweisbar. Die deutlich häufigere Form der Prostataentzündung ist nicht bakteriellen Ursprungs – bei 90 Prozent der Patienten wird daher eine chronische nicht-bakterielle Prostatitis diagnostiziert.1 Der Arzt unterscheidet bei der weiteren Behandlung einer Prostatitis entsprechend folgender Voraussetzungen:

1. Akute oder chronisch bakterielle Prostatitis
Es liegt ein Bakterienbefall des Prostatagewebes vor, der mit Antibiotika behandelt werden muss. Bei der chronischen Form können zusätzlich Alpha-Blocker zum Einsatz kommen.

2. Chronische abakterielle Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom
Der Arzt kann keine bakterielle Infektion nachweisen. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und gegebenenfalls mit Alpha-Blockern. Zur Selbstbehandlung können Betroffene zudem Prosturol® Zäpfchen anwenden, um die Entzündungsreize gezielt zu lindern.

1 Deutsches Ärzteblatt: Prostatitis und männliches Beckenschmerzsyndrom, Diagnostik und Therapie. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/63754/Prostatitis-und-maennliches-Beckenschmerzsyndrom (Stand: 06.03.2018).