Auf Hafenrundfahrt: Die Untersuchung der Prostata

Im Volksmund wird die rektale Tastuntersuchung der Prostata beim Urologen scherzhaft als Hafenrundfahrt bezeichnet. So charmant umschrieben sie auch ist, die Untersuchung der Prostata über den After ist einer der Hauptgründe, warum viele Männer den Weg zum Urologen scheuen. Die Überprüfung der Vorsteherdrüse per Arzt-Hand ist unbestreitbar intim und deshalb natürlicherweise mit Schamgefühl besetzt. Letztlich ist die Prostata-Untersuchung dennoch ein wichtiges und rein sachlich-medizinisches Diagnosemittel, um festzustellen, wie es um die Prostata steht.

Urologe führt via Ultraschall eine Prostata-Untersuchung bei Patient durch

So funktioniert die Prostata-Untersuchung beim Urologen

Aufgrund der anatomischen Lage der Prostata in direkter Nähe zum Enddarm ist die rektale Untersuchung in Sachen Männergesundheit das Mittel der Wahl. Der Urologe kann mit der Untersuchung über den Anus das untere Ende des Enddarms (Rektum) und so zugleich die Prostata abtasten. Selbstredend ist dazu sein Zeigefinger mit einem Gummihandschuh oder einem Fingerling ausgestattet. Die Befeuchtung des Fingers mit Gleitgel ermöglicht ein schmerzfreies und leichtes Einführen in den After. Ansonsten kann die rektale Prostata-Untersuchung durch den Urologen sowohl ohne besondere Vorbereitungen als auch ohne vorherige spezielle Abklärung durchgeführt werden.

Die Untersuchung der Prostata ist kurz und schmerzlos

Die Untersuchung der Prostata dauert nur wenige Minuten, ist risikolos und bei gesunden Männern einfach und schmerzfrei. Zumeist wird sie seitlich liegend mit leicht angewinkelten Beinen durchgeführt. Im Rahmen der Prostata-Untersuchung ist es hilfreich, wenn sich der Patient entspannt – bei Anspannung oder Verkrampfung wird die Untersuchung deutlich erschwert. Weh tut der Druck des Fingers nur, wenn schmerzende Entzündungen oder Erkrankungen der Prostata vorliegen. Der Urologe achtet bei der rektalen Untersuchung der Prostata auf unterschiedliche Faktoren:

  • Größenveränderungen
  • Knoten oder Verhärtungen
  • Druck- und Schmerzempfindlichkeit
  • Schwellungen
  • Veränderungen der Darm-Schleimhaut
  • Funktion des Schließmuskels

Bei entzündlichen und schmerzenden Veränderungen, wie sie beispielsweise bei einer akuten bakteriellen Prostatitis vorliegen, ertastet der Arzt bei der Prostata-Untersuchung zumeist Schwellungen oder sogar einen mit Eiter gefüllten Abszess. Um sich ein genaueres Bild zu machen, kann er zusätzlich eine (rektale) Ultraschalluntersuchung durchführen. Bei Verdacht auf einen Bakterienbefall der Prostata ist für den Erregernachweis zudem eine Urin-Probe nötig. Mit Hilfe einer Blut-Untersuchung können weitere Werte, wie das prostataspezifische Antigen (abgekürzt PSA) oder Entzündungsparameter ausgelesen werden. Außerdem hat der Urologe die Möglichkeit, das Sperma und Prostatasekret labortechnisch genauer unter die Lupe zu nehmen.

Und übrigens: Die rektale Untersuchung ist per se keine rein urologische Untersuchung und auch keine reine Männer-Angelegenheit, sondern ein allgemein übliches diagnostisches Mittel. Beispielsweise wird sie genauso in der Allgemeinmedizin, der Gynäkologie und der Gastroenterologie, sprich der Inneren Medizin, angewendet. In anderen medizinischen Bereichen richtet sich das Hauptaugenmerk jedoch nicht auf die Prostata, sondern auf andere Organe wie den Enddarm. Bei Frauen ab 50 wird sie als Teil der frauenärztlichen Vorsorge durchgeführt.

Ultraschall (Sonographie) der Prostata

Eine Untersuchung der Prostata per Ultraschall kann auch oder vielmehr zusätzlich zur Abtastung erfolgen. Die schmerzfreie Prostata-Sonographie durch den Enddarm ist dabei wesentlich aussagekräftiger als ein Ultraschall, der äußerlich über den Unterbauch durchgeführt wird. Fachsprachlich wird das Verfahren über den Darm auch als transrektaler Ultraschall, kurz TRUS, bezeichnet. Der Durchmesser der stiftförmigen Ultraschall-Sonde beträgt etwa ein bis zwei Zentimeter. Die Sonde wird im Rahmen der Prostata-Untersuchung über den After etwa zehn Zentimeter tief in den Enddarm eingeführt. Der Ultraschall durchdringt das Gewebe und liefert ein aussagekräftiges Bild über Größe und Beschaffenheit der Prostata. Als alleiniges Diagnosemittel ist der TRUS jedoch nicht ausreichend. Ohne den tastenden Finger und entsprechende Laborwerte würde bei der Untersuchung der Prostata immer ein lückenhaftes Gesamtbild bestehen bleiben.

Prostata-Untersuchung beim Urologen im Rahmen der Vorsorge

… eine Hafenrundfahrt, die ist nicht lustig. Macht aber Sinn. Allein die Krebsvorsorge ist ein guter Grund, warum Männer zum Urologen gehen sollten. Die Kosten für eine jährliche Prostata-Untersuchung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ab dem 45. Lebensjahr. Liegt eine familiäre Vorbelastung vor, wird die Untersuchung der Prostata schon ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Bei konkreten Beschwerden rund um die Symptome sollte kein falsches Schamgefühl vorgeschoben werden – es gibt Hilfe!