Prostata- oder Blasenentzündung beim Mann? Was steckt wirklich dahinter?

Häufiges Wasserlassen, Schmerzen im Beckenbereich – das weist auf eine Prostataentzündung hin, oder? Stopp, nicht so schnell – andere Ursachen haben teils ganz ähnliche Krankheitsbilder. So kann beispielsweise auch eine Blasenentzündung dahinterstecken, wenn Mann häufiger auf die Toilette muss. Der Urologe hat die Aufgabe, diese bei seiner Diagnosestellung auszuschließen. Erkrankungen, die von den Symptomen her einer Prostataentzündung ähneln, finden Sie hier.

Der Urologe klärt über alternative Ursachen auf, die beim Mann ähnliche Beschwerden wie eine Prostatitis auslösen kann – wie zum Beispiel eine Blasenentzündung.

Die wichtigsten Differentialdiagnosen auf einem Blick

  • Blasenentzündung (Zystis) beim Mann
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Nebenhodenentzündung (Epididymitis)
  • Blasensteine
  • gutartige Prostatavergrößerung
  • Prostatakrebs

Blasenentzündung und weitere Ursachen für ständigen Harndrang beim Mann

Zu den typischen Beschwerden einer Prostatitis gehören unter anderem Probleme beim Wasserlassen, also dass man ständig das stille Örtchen aufsuchen muss beziehungsweise starkes Brennen beim Wasserlassen empfindet. Ganz ähnliche Beschwerden können jedoch ebenfalls andere Erkrankungen auslösen, allen voran eine Blasenentzündung (Zystis), die beim Mann mit zunehmendem Alter immer öfter auftritt. Denn bei vielen Männern vergrößert sich dann die Prostata, wodurch sich die Harnröhre verengen kann. Die Folge: Es bleibt mehr Urin in der Blase zurück, der ein idealer Nährboden für Bakterien ist.

Eine Blasenentzündung wird meist von Darmbakterien ausgelöst, die die Blase befallen und dort eine Entzündung an der Schleimhaut verursachen. Steigt die Entzündung weiter nach oben, kann sich aus der Blasenentzündung beim Mann eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) entwickeln. Diese geht meist mit einem ausgeprägteren Krankheitsgefühl einher, zudem sind Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen sowie Magen-Darm-Probleme möglich.

Und auch Blasensteine können zu erschwertem Wasserlassen, verbunden mit Schmerzen, führen. Harnsteine in der Blase entstehen, wenn Urin über einen längeren Zeitraum nicht richtig aus der Blase abfließen kann (zum Beispiel ebenfalls aufgrund einer Prostatavergrößerung) und Restharn darin verbleibt. Aus Ablagerungen und Auskristallisierung des Urins bilden sich dann die Harnsteine. Der Urologe erkennt die kleinen Steinchen meist gut mittels Ultraschalluntersuchung.

Prostatakrebs, Prostatavergrößerung, Prostatitis: Verschiedene Erkrankungen der Prostata möglich

Vorneweg: Eine Prostatitis ist nicht gleich eine Prostatitis. Hier lässt sich beispielsweise zwischen einer akuten und chronischen Prostataentzündung unterscheiden und auch die Frage, ob Bakterien im Spiel sind oder es sich um eine nicht-bakterielle Prostataentzündung handelt, ist für die weitere Behandlung von Bedeutung und muss deshalb durch sorgfältige Untersuchungen vom Facharzt herausgefunden werden.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Prostata bei den meisten Männern an Volumen zu. Diese gutartige Prostatavergrößerung ist an sich nicht schlimm und muss nicht zwangsläufig zu Symptomen führen. Jedoch kann durch das Anwachsen die Harnröhre verengt und eine Blasenentzündung begünstigt werden. Dadurch muss sich die Muskulatur der Harnblase wiederum stärker anstrengen, woraus zusätzliche Beschwerden wie

    • ein ständiger Harndrang,
    • verzögerter Start des Wasserlassens oder
    • ein abgeschwächter Harnstrahl
  • resultieren können. Leider ist aber auch eine bösartige Erkrankung der Prostata möglich. Mit rund 20 Prozent ist der Prostatakrebs die häufigste Tumorerkrankung beim Manni. Das tückische am Prostatakrebs ist, dass er lange unbemerkt bleibt und erst in fortgeschrittenem Stadium zu eher unspezifischen Symptomen wie Schmerzen beim Samenerguss oder Schmerzen im Beckenbereich führt.

    Ein Plädoyer für die Vorsorgeuntersuchung:

    Um Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen, sollten Männer ab 45 Jahren einmal im Jahr eine Prostatauntersuchung machen lassen. Diese wird von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Untersuchung beinhaltet eine ausführliche Befragung des Patienten. Zudem tastet der Urologe die Prostata vom Enddarm aus ab. Scheuen Sie diese Untersuchung nicht aus Angst oder Scham, selbst wenn das Abtasten etwas unangenehm sein könnte – machen Sie sich bewusst, dass Vorsorge besser als Nachsorge ist. Auch wenn Sie keine Symptome haben, kann sich Prostatakrebs entwickeln.

    Nebenhodenentzündung: Schmerzhafte Angelegenheit

    Mit einer Nebenhodenentzündung (Epididymitis) hat eine Prostataentzündung vor allem die Schmerzen in den Genitalien gemein. Die Beschwerden treten im Vergleich zur Prostatitis aber meist einseitig auf. Weitere charakteristische Anzeichen sind zudem eine Rötung, Überwärmung sowie Schwellung des Hodens. Infolge der Entzündung kann es außerdem zu Fieber kommen. Auslöser sind in der Regel Erreger wie Kolibakterien, Enterokokken oder Gonokokken (die vor allem als Tripper-Ursache bekannt sind).

    1 Robert Koch Institut: Prostataerkrankungen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 2007. Heft 36. S.7.